International Center for Wind Music Research

International Center for Wind Music Research / Internationales Zentrum für Blasmusikforschung

Eröffnung IZBF
Eröffnung IZBF
Eröffnung IZBF
Eröffnung IZBF


Internationales Zentrum für Blasmusikforschung

Hommage an em. O.Univ.Prof. Dr. Wolfgang Suppan zum 80. Geburtstag und

Eröffnung der Pannonische Forschungsstelle - International Center for Wind Music

von Bernhard Habla

Am 11. Oktober 2013 fand an der Kunstuniversität Graz (KUG) – Institut Oberschützen eine akademische Feier zu zwei Anlässen statt:

Es wurde em. O. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Suppan zum 80. Geburtstag gratuliert und Rektor Prof. Dr. Robert Höldrich konnte den Ausbau der Pannonischen Forschungsstelle (PFS) zum International Center for Wind Music Research (Internationales Zentrum für Blasmusikforschung) eröffnen.

 

Doch der Reihe nach, und eine weiter ausholende Beantwortung der Frage „warum“ diese in einer Feier zusammengelegt wurden:

Wolfgang Suppan, unter anderem langjähriger Obmann des Steirischen Blasmusikverbandes, wurde nach seiner Tätigkeit am Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg in den 1970er Jahren als Vorstand des Instituts für Musikethnologe der damaligen Hochschule für Musik Graz berufen. Hier widmete er sich als Pionier im deutschen Sprachraum auch zunehmend der Erforschung der Blasmusik, da er schon in seiner Freiburger Zeit erkannte, dass sich die Musikwissenschaft mit der „Blasmusik“ nicht als Forschungsgegenstand beschäftigte. In der Folge kam es zur Gründung der IGEB (1974) und in den 1980er Jahren zur Gründung des Instituts für Blasmusikforschung an der Hochschule. Leider wurde das Institut nie etatisiert und mit dem allzu frühen Tod des Leiters Prof. Dr. Eugen Brixel löste sich dieser erste Versuch wieder auf.

 

In einem zweiten Anlauf wurde in den 1990er Jahren am Institut in Oberschützen, der damaligen und noch heute manchmal so genannten „Expositur“, mit der Pannonischen Forschungsstelle, zunächst mit Projekten des Fonds zur Förderung der Wissenschaft in Österreich erneut der Erforschung des Blasmusikwesens eine Einrichtung gewidmet. Damals noch mit dem Hinweis „… PFS für musikethnologische und musikanthropologische Grundlagenforschung“ in der Aufgabenbeschreibung. An diesem Hinweis ist die enge Bindung an das damalige „Institut für Musikethnologie“ der Grazer Hochschule zu erkennen, dem Wolfgang Suppan, wie bereits oben gesagt wurde, vorstand, und der hier, zusammen mit Expositurleiter Prof. Gerhard Schönfeldinger einen weiteren Versuch starten konnte, der Blasmusikforschung eine Heimstatt zu geben.

 

Diese Einrichtung besteht nun seither unter dem Namen „Pannonische Forschungsstelle“, wobei der Name auf die geographische Lage des Instituts hinweist, nämlich auf die ehemalige römische Provinz „Pannonia“. Der Arbeitsbereich und die Kontakte dieser Forschungsstelle erstrecken sich bald über die ganze Welt und so konnte auch der amerikanische Prof. Dr. Raoul Camus aus New York 1995 als Gastprofessor für Vorlesungen an die Expositur und den Hauptstandort in Graz, verbunden mit etlichen Vorträgen in Österreich, gewonnen werden. Die Internationalen Verbindungen steigerten sich noch, als der Sitz der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGEB)  nach Oberschützen kam.

 

Allerdings wird auch regionale Musikforschung betrieben und so konnte bereits die zweite Auflage des Buches „Komponieren im Burgenland“ veröffentlich werden, oder der Band „Kulturelle Identität durch Musik? Das Burgenland und seine Nachbarn“, ein Bericht zum Symposium 2007 gleichen Titels in Oberschützen. In zahlreichen Arbeiten von Studenten konnten burgenländische und auch österreichische Themen bearbeitet werden. Heute entstehen Bachelor-, Masterarbeiten und eine Dissertation zur Blasmusik (etwa: Das Requiem von Julius Fucik, oder der Musikverlag von Erwin Trojan, etc.) sowie zur musikalischen Landeskunde.

 

In einem Sonderprojekt des Rektorats der Kunstuniversität Graz wurde unter den Rektoren Ao.Univ. Prof. Dr. Georg Schulz und O.Univ.Prof. Dr. Robert Höldrich auf Initiative von Univ.Prof. Dr. Klaus Aringer, dem Vorstand des Institutes Oberschützen, die Erweiterung der PFS zum „International Center for Wind Music“ ausgeführt.

 

Vor diesem Hintergrund fand nun dieses Zusammenfallen vom Geburtstagsjubiläum des um die Blasmusikforschung verdienten Jubilars und die Eröffnung des „International Center for Wind Music Research” statt, das als dessen Kind angesehen werden kann.

 

Prof. Dr. Damien Sagrillo von der  Université du Luxembourg sprach in seinem Festvortrag über „Blasmusikforschung – Rückblick – Ausblick“ ausführlich über die Tätigkeiten Wolfgang Suppans und betonte u.a. die regionale Musikforschung, die für das Gesamtbild einer Musikgeschichte sehr wichtig wäre, ein Sachverhalt, der auch für Suppan im Vordergrund steht, da sich eine Musikgeschichte nicht nur auf wenige große Komponisten reduzieren lasse, sondern ein vielfältiges und buntes Bild mit vielen Facetten darstelle. Dies trifft im besonderen auf die Blasmusik und ihr Repertoire zu, das von zahlreichen dem Namen nach unbekannte Komponisten geschaffen wurde und wird. Erst ist jüngerer Zeit zeichnet sich ein Wandel ab, und die Komponisten sind auch dem Namen nach bekannt.

 

Klaus Aringer betonte die Stellung der PFS innerhalb des Studienangebotes für Studenten in Oberschützen und die internationalen Kontakte, wie auch W. Hofrat Dr. Josef Tiefenbach von der Burgenländischen Landesregierung die Bedeutung des Instituts Oberschützen  im Burgenländischen Bildungsangebot und Bürgermeister Günter Toth dessen Bedeutung für Oberschützen hervorhob. Suppans Nachfolger am Institut Ethnomusikologie, Univ.Prof. Dr. Gerd Grupe sprach über die enge Zusammenarbeit der Mitarbeiter seines Instituts mit der PFS, die sich aus der Vergangenheit ergab und erfolgreich fortsetzen lässt.

 

Einen Höhepunkt der Hommage an Wolfgang Suppan stellte die Überreichung des „Großen Goldenes Ehrenkreuzes des Burgenländischen Blasmusikverbandes“ (BBV) durch Landesobmann Prof. Mag. Alois Loidl an Wolfgang Suppan dar. Suppan erhielt diese höchste Auszeichnung des BBV für seine Verdienste um die Blasmusik des Landes, insbesondere seiner Bemühungen, die PFS zu errichten.

 

An der PFS - International Center for Wind Music Research sind drei Bibliothekare mit den zahlreichen Sammlungen an Blasmusikmaterialien, die sich bisher an unterschiedlichen Standorten befunden haben und mit den bereits bestehenden Beständen zusammen geführt wurden, und mit deren Katalogisierung beschäftigt: Derzeit befinden sich zirka 45000 Direktionen, Partituren oder Stimmsätze von Blasmusikwerken, darunter sehr viele historische Notenausgaben aus dem 19. Jahrhundert und über 1000 amerikanische Stimmsätze und Partituren sowie zahlreiche alte Bestände von Vereinen, die hier als separate (historische) Sammlungen aufgenommen werden und für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden können.

 

Als weltweite Einzigartigkeit ist die Sammlung an Journalen von Blasmusikverbänden („Blasmusikzeitungen“) anzusehen, die von Prof. Dr. Wolfgang Suppan dem Forschungszentrum übergeben worden ist und die nun vervollständigt und erweitert wird. Die Zeitschriftenbibliothek umfasst derzeit die meisten deutschsprachigen Blasmusik-Zeitschriften (Schweiz, Österreich, Deutschland) sowie viele europäische und amerikanische Journals, weitgehend vollständig seit ihrem Erscheinungsbeginn.

 

Desweitern umfasst die Bibliothek zahlreiche Bücher zur Blasmusik weltweit, vom Oman bis Nigeria, von Finnland bis Spanien, Bücher zur Blasmusik allgemein ebenso wie die Großen Blasmusikbücher Österreichs, Instrumentationslehren, Blasmusik-Lexika etc. zur Benützung bereit.

 

Bericht Eurowinds